Wichtiger Hinweis vorab (du bist nicht allein)
Dieser Beitrag dient der Information und kann eine individuelle Beratung nicht ersetzen. Wenn du akut in Gefahr bist, rufe sofort den Notruf 110 (Polizei, Deutschland) bzw. 133 (Polizei, Österreich) oder 112 (Rettung/Feuerwehr) an. Wenn es gerade nicht sicher ist zu telefonieren, versuche, dich an einen sicheren Ort zu begeben (z. B. Nachbar*in, Geschäft, öffentliche Einrichtung).
Ein Sicherheitsplan bei häuslicher Gewalt ist kein „Beweis“, dass du gehen musst. Es ist ein Werkzeug, das dir in verschiedenen Szenarien hilft: wenn du bleibst, wenn du gehst, wenn du dir noch unsicher bist, oder wenn du jemanden unterstützt. Ziel ist: mehr Sicherheit, mehr Kontrolle, mehr Optionen.
Was bedeutet häusliche Gewalt – und warum ein Plan hilft
Häusliche Gewalt umfasst nicht nur körperliche Übergriffe. Häufig beginnt sie subtil und steigert sich. Dazu zählen:
- Psychische Gewalt (Drohungen, Einschüchterung, Demütigungen, Kontrolle)
- Physische Gewalt (Schlagen, Würgen, Festhalten, Gewalt gegen Gegenstände oder Haustiere)
- Sexualisierte Gewalt (Nötigung, Vergewaltigung, „Nein“ wird ignoriert)
- Ökonomische Gewalt (Geld entziehen, Konten kontrollieren, Arbeitsverbot)
- Digitale Gewalt (Stalking, Spyware, Passwörter abgreifen, Standorttracking)
- Soziale Isolation (Freund*innen/Familie abschneiden, Kontakte verbieten)
Ein Sicherheitsplan hilft, weil Stress und Angst die Entscheidungsfähigkeit einschränken. Wenn du Dinge vorab überlegst – sichere Orte, Codewörter, Dokumente, Fluchtwege – musst du in einer akuten Situation weniger improvisieren.
Dein praktischer Plan: Schritt für Schritt zu mehr Sicherheit
Die folgenden Schritte sind modular. Du kannst mit dem Teil beginnen, der gerade am besten möglich ist. Schon kleine Maßnahmen können das Risiko reduzieren.
Schritt 1: Risiko einschätzen – ohne dich zu verurteilen
Eine ehrliche Einschätzung ist wichtig, um Prioritäten zu setzen. Gewalt kann eskalieren, besonders bei Trennung, Schwangerschaft, Sorgerechtskonflikten oder wenn der*die Täter*in Kontrolle verliert.
Warnsignale für erhöhte Gefahr (nicht vollständig, aber wichtig):
- Würgen/Strangulieren (auch „nur kurz“) – gilt als besonders gefährlich.
- Drohungen, dich zu töten oder sich selbst zu töten.
- Zugang zu Waffen oder Gegenständen, die als Waffen genutzt werden.
- Stalking, ständige Kontrolle, GPS-Tracking, erzwungene Passwortfreigabe.
- Gewalt wird häufiger oder schwerer; „Entschuldigungen“ wechseln mit Übergriffen.
- Gewalt gegen Kinder oder Haustiere; Zerstören von Eigentum.
Wenn du mehrere Punkte wiedererkennst, ist es sinnvoll, sofort externe Unterstützung zu holen (Frauenhaus, Gewaltschutzstelle, Polizei, Beratungsstelle).
Schritt 2: Sofortmaßnahmen für akute Situationen (wenn es gerade eskaliert)
In akuten Momenten zählt vor allem: raus aus gefährlichen Zonen, Hilfe holen, Zeit gewinnen.
Praktische Regeln für den Moment:
- Bewege dich – wenn möglich – in Richtung Ausgang und öffentlich sichtbare Bereiche.
- Meide Räume mit erhöhtem Risiko: Küche (Messer), Bad (harte Oberflächen), Keller/Garage (weniger Fluchtmöglichkeiten).
- Wenn Kinder da sind: vereinbare vorher eine „Sicherheitsroutine“ (siehe Schritt 6).
- Wenn du telefonieren kannst: Notruf 110 (DE) / 133 (AT). Nenne Adresse und ob Waffen im Spiel sind.
- Wenn du nicht sprechen kannst: In vielen Regionen gibt es Möglichkeiten über stille Notrufe oder Apps/Onlinewachen – informiere dich vorab lokal.
Mini-Notfall-Satz (zum Üben): „Ich bin in Gefahr. Adresse ist ____. Bitte kommen Sie sofort. Er/Sie ist ____. Es gibt/ gibt keine Waffen.“
Schritt 3: Dein persönlicher Sicherheitskreis (Menschen, die schnell reagieren)
Ein Sicherheitsplan funktioniert besser, wenn du nicht alles allein tragen musst. Baue ein kleines Netzwerk auf – auch wenn es nur 1–2 Personen sind.
- Eine Vertrauensperson, die erreichbar ist (Nachbar*in, Kolleg*in, Freund*in).
- Eine Person für Dokumente/Backup (kann Kopien aufbewahren).
- Eine Person für Kinder/Haustiere im Notfall.
Codewort vereinbaren: Ein unauffälliger Satz wie „Kannst du mir das Rezept schicken?“ bedeutet: „Bitte ruf die Polizei“ oder „Komm sofort.“
Wichtig: Nutze Kommunikationswege, die der*die Täter*in nicht überwacht. Wenn digitale Kontrolle möglich ist, lies dazu Schritt 8 (Digitalsicherheit).
Schritt 4: Notfalltasche („Go-Bag“) – klein, aber strategisch
Eine vorbereitete Tasche ist ein zentraler Baustein in vielen Konzepten für einen Sicherheitsplan bei häuslicher Gewalt. Sie muss nicht groß sein. Entscheidend ist, dass du schnell gehen kannst.
Was hinein sollte (angepasst an deine Situation):
- Ausweise: Personalausweis/Reisepass, Aufenthaltstitel, Geburtsurkunden (Kinder)
- Finanzen: etwas Bargeld, Bankkarte, wichtige Kontoinfos
- Schlüssel: Wohnung, Auto, Briefkasten (ggf. Ersatzschlüssel)
- Medizinisches: Medikamente, Rezepte, Krankenkassenkarte/e-card, wichtige Befunde
- Kommunikation: geladenes Handy, Powerbank, ggf. Prepaid-SIM
- Alltag: Kleidung/Unterwäsche, Hygiene, Brille/Kontaktlinsen
- Beweissicherung (falls möglich): Fotos/Notizen auf sicherem Medium, Kopien von Drohungen
- Kinder: Lieblingskleinteil, Schulunterlagen, Impfpass
Wo lagern? Nicht sichtbar in der Wohnung, wenn das Risiko hoch ist. Besser: bei einer Vertrauensperson, im Büro/Spind, oder an einem neutralen Ort. Manche bewahren nur Dokumente separat auf und packen den Rest im Notfall.
Schritt 5: Sichere Orte und Fluchtwege planen
Überlege dir mindestens drei Optionen:
- Option A: Nachbar*in oder Hausmeister*in (schnell erreichbar)
- Option B: Öffentlicher Ort (Bäckerei, Tankstelle, Apotheke, Polizeistation)
- Option C: Sicherer Übernachtungsort (Freund*innen, Familie, Frauenhaus/Schutzeinrichtung)
Fluchtwege: Welche Türen/Fenster sind nutzbar? Wo ist der Schlüssel? Wo ist das Handy? Kannst du die Treppe nutzen? Übe im Kopf („Wenn X passiert, gehe ich zu Y“). Das ist kein Drama – das ist Vorbereitung.
Schritt 6: Wenn Kinder betroffen sind – Schutz ohne sie zu überfordern
Kinder erleben Gewalt oft mit – auch wenn sie „im Nebenraum“ sind. Ein Sicherheitsplan sollte altersgerecht sein und Kinder nicht in gefährliche Rollen bringen.
Was Kinder lernen können (altersgerecht):
- Sie sind nicht schuld.
- Sie sollen nicht dazwischengehen.
- Sie sollen zu einem sicheren Ort gehen (z. B. Nachbarwohnung) und Hilfe holen.
- Sie kennen Notrufnummern (110/112 in DE; 133/112 in AT) und Adresse.
- Ein Codewort, das bedeutet: „Geh jetzt zu Ort X“.
Schule/Kindergarten informieren? In vielen Fällen kann es helfen, eine vertrauliche Absprache zu treffen: wer abholen darf, wer nicht, und welche Personen im Notfall kontaktiert werden. Bitte prüfe vorher deine Sicherheitslage – wenn der*die Täter*in davon erfährt, kann das Risiko steigen. Beratungsstellen unterstützen dich bei der Abwägung.
Schritt 7: Dokumentation und Beweise – nur soweit es sicher ist
Dokumentation kann bei Polizei, Gewaltschutzverfahren, Scheidung, Sorgerecht oder Betretungs-/Annäherungsverboten wichtig sein. Gleichzeitig gilt: Deine Sicherheit geht vor. Wenn das Sammeln von Beweisen dich gefährdet, lass es und hole Beratung.
Mögliche Formen der Dokumentation:
- Fotos von Verletzungen (mit Datum), beschädigten Gegenständen, verwüsteten Räumen
- Ärztliche Atteste, Befunde, Krankenhausberichte
- Gedächtnisprotokoll: Datum, Uhrzeit, Ort, was passiert ist, Zeug*innen
- Chats/E-Mails/Voicemails sichern (Screenshots, Export)
Tipp: Speichere Kopien nicht nur auf dem Handy, wenn dieses überwacht werden könnte. Nutze einen sicheren Cloud-Account mit neuem Passwort oder gib Kopien einer Vertrauensperson.
Schritt 8: Digitale Sicherheit (Handy, Social Media, Tracking) – oft unterschätzt
Digitale Kontrolle ist in vielen Fällen Teil der Gewalt. Ein moderner Sicherheitsplan berücksichtigt deshalb auch Technik.
Checkliste Digitalsicherheit:
- Passwörter ändern (E-Mail zuerst, dann Banking, dann Social Media). Nutze starke, einzigartige Passwörter.
- Zwei-Faktor-Authentifizierung aktivieren (idealerweise über Authenticator-App statt SMS).
- Geräte prüfen: Ist eine unbekannte App installiert? Ist „Geräteadministrator“ aktiviert? Gibt es Profile/MDM?
- Standortdienste prüfen: Teilen von Standort in Apps (WhatsApp, Google/Apple, Snapchat etc.).
- Cloud-Familienfreigaben (Apple Familienfreigabe, Google Family) kontrollieren.
- Neues E-Mail-Konto für Beratung/Planung anlegen (nicht auf gemeinsam genutzten Geräten).
- Browser-Sicherheit: Verlauf/Auto-Login bedenken; nutze Privatmodus – aber beachte, dass das nicht vor Router-/Kontenüberwachung schützt.
Wenn du Spyware vermutest: Nicht überstürzt löschen (das kann auffallen). Hole Unterstützung von spezialisierten Stellen oder nutze ein anderes Gerät für die Planung (z. B. bei Freund*innen, Bibliothek, Beratungsstelle).
Schritt 9: Rechtliche Schutzmöglichkeiten in Deutschland
In Deutschland stehen Betroffenen verschiedene Schutzinstrumente zur Verfügung. Welche passen, hängt vom Bundesland, der Lage und dem Beweisstand ab.
Typische Maßnahmen:
- Polizeieinsatz & Wegweisung: Die Polizei kann den Gefährder der Wohnung verweisen (landesrechtlich geregelt).
- Gewaltschutzgesetz (GewSchG): Gerichtliche Anordnungen wie Kontakt- und Näherungsverbot, Wohnungszuweisung.
- Strafanzeige: Körperverletzung, Bedrohung, Stalking u. a.
- Opferschutz/Opferhilfe: Prozessbegleitung, Beratung, ggf. Kostenhilfe (je nach Fall).
Praktisch: Beratungsstellen oder Anwält*innen helfen dir, Anträge zu formulieren und die sinnvollste Reihenfolge zu wählen. Wenn du Angst hast, „nicht ernst genommen“ zu werden: Du darfst eine Vertrauensperson mitnehmen und um eine dokumentierte Aufnahme bitten.
Schritt 10: Rechtliche Schutzmöglichkeiten in Österreich
Österreich hat ein ausgebautes System rund um Wegweisung und Betretungsverbote.
Typische Maßnahmen:
- Wegweisung & Betretungsverbot durch die Polizei (in akuten Gefährdungslagen).
- Einstweilige Verfügung (zivilrechtlicher Schutz, z. B. Annäherungsverbot).
- Opferschutzeinrichtungen und Gewaltschutzzentren (Unterstützung bei Schritten, Begleitung).
Hinweis: Auch in Österreich gilt: Dokumentation hilft, aber du musst nicht „perfekt beweisen“, um Hilfe zu bekommen. In Gefährdungslagen zählt die Sicherheit.
Wenn du (noch) nicht gehen kannst oder willst: Sicherheitsplan fürs Bleiben
Viele Betroffene können nicht sofort gehen – wegen finanzieller Abhängigkeit, Angst, Kinderbetreuung, Aufenthaltstatus, Krankheit, Scham oder weil die Lage komplex ist. Ein Sicherheitsplan kann auch fürs „Bleiben“ erstellt werden.
Konkrete Maßnahmen im Alltag
- Gefährliche Gegenstände reduzieren, soweit möglich (z. B. Messer nicht offen lassen).
- Routinen variieren, wenn Stalking/Abfangen ein Thema ist.
- Sichere Räume definieren: Zimmer mit zwei Ausgängen, ohne Waffenpotenzial.
- Verbündete im Haus: Nachbar*innen, die bei Lärm reagieren.
- Wichtige Nummern unter neutralen Namen speichern.
Wichtig: Versuche nicht, Gewalt mit „perfektem Verhalten“ zu verhindern. Verantwortung liegt immer bei der gewaltausübenden Person.
Wenn du gehen willst: Sicherheitsplan für Trennung und die ersten 72 Stunden
Die Trennungsphase ist statistisch oft besonders riskant. Plane – wenn möglich – mit Unterstützung.
Vor der Trennung (wenn es sicher ist)
- Beratung kontaktieren und Optionen besprechen (Frauenhaus, Gewaltschutzstelle, Rechtsberatung).
- Transport klären: Wer fährt dich? Öffentliche Verkehrsmittel? Taxi? Welche Route?
- Unterkunft organisieren: sicher, geheim, erreichbar.
- Finanzpuffer anlegen: kleines Bargeld, eigenes Konto (wenn möglich).
- Arbeitsplatz informieren (vertraulich): Empfang/Sicherheitsdienst, keine Auskünfte, ggf. Begleitung zum Auto.
Am Tag des Gehens
- Gehe, wenn der*die Täter*in nicht anwesend ist – sofern das für dich sicherer ist.
- Nimm die Notfalltasche und nur das Nötigste.
- Informiere eine Vertrauensperson, wann du losgehst und wann du ankommen willst.
- Wenn du Angst hast, dass du verfolgt wirst: ändere Route, gehe in belebte Bereiche, rufe die Polizei.
Die ersten 72 Stunden danach
- Kommunikation absichern: Passwörter ändern, Standort teilen ausschalten.
- Beweise sichern, falls du das noch nicht konntest.
- Rechtliche Schritte prüfen: Schutzanordnung, Kontaktverbot, Wohnungszuweisung.
- Soziales Netz informieren (dosiert): wer soll nichts weitergeben?
- Selbstfürsorge: Schlaf, Essen, medizinische Versorgung – auch psychisch.
Finanzen, Wohnen, Arbeit: praktische Stabilisierung (DE & AT)
Gewalt ist oft mit finanzieller Kontrolle verbunden. Stabilität reduziert Abhängigkeit und erhöht Sicherheit.
Finanzielle Schritte
- Eigenes Konto (wenn möglich) und Zugangsdaten sichern.
- Wichtige Verträge prüfen: Handy, Mietvertrag, Versicherungen.
- Budgetplan für 4–8 Wochen erstellen (Unterkunft, Transport, Essen, Kinder).
Wohnen
- Informiere dich über Schutzeinrichtungen, Übergangswohnungen oder Notunterkünfte.
- Wenn du umziehst: Adresse schützen (Auskünfte sperren, je nach Land/Region möglich), Postnachsendung mit Bedacht.
Arbeit & Ausbildung
- Vertraulich mit HR/Leitung sprechen: keine Besucher*innen durchlassen, Begleitung, Parkplatzwechsel.
- Dokumentiere Vorfälle am Arbeitsplatz (Anrufe, auftauchen, Drohungen).
Gesundheit und Trauma: warum Stabilität Teil des Plans ist
Häusliche Gewalt hinterlässt oft körperliche und psychische Spuren: Schlafstörungen, Angst, Panik, Depression, Flashbacks, Konzentrationsprobleme. Ein Sicherheitsplan ist wirksamer, wenn du auch deine Belastung ernst nimmst.
- Medizinische Versorgung: Verletzungen dokumentieren lassen (auch „kleine“).
- Psychologische Unterstützung: Traumaambulanzen, Therapeut*innen, Beratungsstellen.
- Stabilisierende Übungen: Atemtechniken, Bodenkontakt, kurze Routinen – besonders vor Gesprächen mit Behörden.
Merksatz: Du musst nicht erst „zusammenbrechen“, um Hilfe zu bekommen.
Wenn du eine betroffene Person unterstützen willst: richtig helfen, ohne zu gefährden
Angehörige und Freund*innen wollen oft „sofort handeln“. Gut gemeint kann aber riskant sein. Unterstütze so, dass die betroffene Person mehr Optionen hat – nicht mehr Druck.
Hilfreiche Sätze
- „Ich glaube dir.“
- „Es ist nicht deine Schuld.“
- „Wie kann ich dich konkret unterstützen – heute?“
- „Möchtest du, dass ich mit dir eine Beratungsstelle anrufe?“
Was du vermeiden solltest
- „Warum gehst du nicht einfach?“ (klingt wie Vorwurf)
- Alleinige Konfrontation der gewaltausübenden Person (kann eskalieren)
- Ultimaten („Wenn du nicht gehst, bin ich weg“)
Praktische Hilfe
- Notfalltasche lagern oder Kopien von Dokumenten verwahren
- Abholen/Transport organisieren
- Kinderbetreuung im Notfall
- Gemeinsam den Sicherheitsplan schriftlich festhalten
Beratung & Hotline-Anlaufstellen (Deutschland und Österreich)
Hier sind zentrale, niedrigschwellige Möglichkeiten, Unterstützung zu bekommen. Wenn du unsicher bist, welche Stelle passt: Ruf irgendwo an – die meisten vermitteln weiter.
Deutschland
- Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“: 116 016 (kostenlos, 24/7, auch Chat/Online-Beratung verfügbar)
- Polizei: 110 (Notruf), 112 (Rettung/Feuerwehr)
- Beratungsstellen vor Ort: Frauenberatungsstellen, Interventionsstellen, Opferhilfe (je nach Region)
Österreich
- Frauenhelpline gegen Gewalt: 0800 222 555 (24/7)
- Polizei: 133 (Notruf), 112 (EU-Notruf)
- Gewaltschutzzentren / Interventionsstellen: regionale Anlaufstellen (Unterstützung bei Betretungsverboten, Sicherheitsplanung)
Wenn du männlich bist oder LGBTQIA+: Auch du hast Anspruch auf Hilfe. Suche nach spezialisierten Beratungsstellen in deiner Region oder frage bei den Hotlines nach passenden Angeboten.
Vorlage: Dein Sicherheitsplan zum Ausfüllen (kompakt und praktisch)
Du kannst den folgenden Plan ausdrucken oder (sicher) digital speichern. Passe ihn an deine Situation an.
1) Notfallkontakte
- Notruf: 110/112 (DE) | 133/112 (AT)
- Vertrauensperson 1: Name/Nummer: ____
- Vertrauensperson 2: Name/Nummer: ____
- Beratungsstelle/Frauenhaus: ____
2) Codewort
- Codewort/Satz: ____
- Bedeutung: ( ) Polizei rufen ( ) sofort kommen ( ) Kind abholen ( ) anderes: ____
3) Sichere Orte
- Ort A (nah): ____
- Ort B (öffentlich): ____
- Ort C (über Nacht): ____
4) Fluchtweg
- Hauptausgang: ____
- Alternativ: ____
- Treffpunkt, falls getrennt (mit Kindern): ____
5) Notfalltasche
- Ort der Tasche: ____
- Wichtige Dokumente: ( ) ja ( ) nein – wo sonst? ____
6) Digitalsicherheit
- Neues E-Mail-Konto: ____
- 2FA aktiv: ( ) ja ( ) nein
- Standort teilen geprüft: ( ) ja ( ) nein
7) Rechtliche Optionen, die ich prüfen will
- ( ) Schutzanordnung / Annäherungsverbot
- ( ) Wegweisung / Betretungsverbot
- ( ) Anzeige
- ( ) Rechtsberatung
Häufige Fragen (FAQ)
„Ich habe keine sichtbaren Verletzungen – ist es trotzdem Gewalt?“
Ja. Gewalt ist nicht nur körperlich. Kontrolle, Drohungen, Einschüchterung, sexuelle Nötigung und finanzielle Kontrolle sind ebenfalls Gewaltformen. Du darfst Hilfe suchen, auch ohne „Beweise“.
„Was, wenn ich Angst habe, dass mir niemand glaubt?“
Diese Angst ist verständlich. Viele Stellen sind auf das Thema spezialisiert. Nimm – wenn möglich – eine Vertrauensperson mit, dokumentiere Vorfälle soweit sicher, und wende dich an Beratungsstellen, die dich bei Gesprächen mit Polizei oder Gericht begleiten können.
„Kann ich anonym beraten werden?“
In vielen Fällen ja – insbesondere bei Hotlines und Online-Beratungen. Frage direkt nach anonymen Optionen und sicheren Kommunikationswegen.
„Was ist, wenn ich abhängig bin (finanziell, Aufenthalt, Krankheit)?“
Dann ist ein Sicherheitsplan besonders wichtig, weil er schrittweise Wege aus der Abhängigkeit schaffen kann. Beratungsstellen kennen Optionen zu Sozialleistungen, Notunterkünften, rechtlicher Unterstützung und Schutzmaßnahmen.
Fazit: Ein Sicherheitsplan gibt dir Optionen – und du bestimmst das Tempo
Ein durchdachter Sicherheitsplan bei häuslicher Gewalt kann den entscheidenden Unterschied machen: Er schafft Struktur in einer belastenden Lage und hilft dir, schneller und klarer zu handeln – ob du bleiben musst, gehen willst oder dich erst orientierst. Du verdienst Sicherheit und Unterstützung. Wenn du nur einen Schritt heute schaffst, ist das genug: Speichere eine Hotline, sprich mit einer Vertrauensperson oder packe ein kleines Dokumenten-Set. Aus kleinen Schritten wird ein Weg.