Der Alltag mit einem Vorschulkind ist voller kleiner Übergänge: Aufstehen, Anziehen, Frühstück, Kita-/Kindergartenweg, Einkaufen, Abendroutine. Genau in diesen Momenten entstehen oft Stress, Machtkämpfe oder Trödelei – und gleichzeitig die besten Chancen für Nähe, Lernen und Selbstständigkeit. Wenn du dein Vorschulkind spielerisch begleiten möchtest, brauchst du keine perfekten Bastelideen oder pädagogische Superkräfte. Es reicht, den Alltag als Spielfeld zu sehen: mit klaren Rahmen, viel Humor und kurzen Spielimpulsen, die zu euch passen. In diesem Artikel findest du alltagstaugliche Spielideen, Mini-Rituale und Kommunikationshilfen für Familien in Deutschland und Österreich – inklusive Tipps für morgens, unterwegs, beim Essen, beim Aufräumen und für starke Gefühle. Alles so, dass es wirklich in einen vollen Familienalltag passt.

Warum Spiel der beste Alltagshelfer ist (und nicht „noch ein Programmpunkt“)

„Spiel“ klingt nach zusätzlicher Zeit, mehr Chaos und noch mehr To-dos. In Wirklichkeit ist es oft das Gegenteil: Spiel ist eine Abkürzung zu Kooperation, weil es das Gehirn deines Kindes dort abholt, wo es gerade ist. Vorschulkinder (meist 4–6 Jahre) denken stark in Bildern, Rollen und Geschichten. Sie lernen über Nachahmung, Bewegung und Emotion – nicht über lange Erklärungen.

Wenn du ein Vorschulkind spielerisch begleiten willst, nutzt du Spiel als Sprache: Du übersetzt Anforderungen (Zähneputzen, Anziehen, Losgehen) in kleine Missionen. Dadurch sinkt der Widerstand, und dein Kind erlebt sich als kompetent.

Was Spiel im Vorschulalter stärkt

  • Selbstständigkeit (Ich kann etwas alleine schaffen.)
  • Selbstregulation (Warten, stoppen, wieder anfangen.)
  • Sprache & Denken (Rollenspiel, Reime, Erklären)
  • Soziale Fähigkeiten (Aushandeln, Perspektivwechsel)
  • Emotionskompetenz (Gefühle benennen und ausdrücken)

Wichtig: Spiel heißt nicht, dass immer alles „lustig“ sein muss. Es bedeutet, eine leichte, zugewandte Haltung einzunehmen – auch wenn du Grenzen setzt.

Die Grundprinzipien: So wird aus Alltag spielerische Begleitung

Bevor wir in konkrete Ideen gehen, helfen dir ein paar Leitplanken. Sie funktionieren in Familien in Deutschland und Österreich gleichermaßen – egal ob du in der Stadt (Wien, München, Berlin) oder am Land lebst.

1) Verbindung vor Korrektur

Vorschulkinder kooperieren besser, wenn sie sich gesehen fühlen. Ein kurzer Blickkontakt, eine Hand auf der Schulter, ein „Ich bin da“ wirkt oft stärker als zehn Aufforderungen. Starte Übergänge mit einem Mini-Kontaktmoment:

  • „Komm, wir machen kurz den Power-Check: High Five – jetzt starten wir.“
  • „Ich sehe, du bist noch im Spiel. Wir machen einen Parkplatz für die Idee und holen sie später wieder.“

2) Kleine Spiele statt große Projekte

Alltagstauglich sind Ideen, die 30 Sekunden bis 5 Minuten dauern. Das reicht, um den Knoten zu lösen. Lieber zehn Mikro-Spiele am Tag als ein aufwendiges Programm am Wochenende.

3) Klare Grenzen + spielerischer Ton

„Spielerisch“ bedeutet nicht „alles ist erlaubt“. Grenzen geben Sicherheit. Der Trick ist: Grenze bleibt Grenze, aber die Ansprache kann leicht sein.

Beispiel: Statt „Hör auf zu rennen!“ → „Stopp, ich brauche Schrittgeschwindigkeit. Zeig mir deinen besten Roboter-Gang.“

4) Wahlmöglichkeiten dosieren

Zu viele Optionen überfordern. Gib zwei passende Auswahlmöglichkeiten:

  • „Möchtest du die roten oder die blauen Socken?“
  • „Zuerst Zähneputzen oder zuerst Pyjama?“

5) Erwartungen realistisch halten

Vorschulkinder können schon viel – aber nicht immer, nicht schnell und nicht unter Stress. Plane Puffer ein, besonders morgens vor Kindergarten/Kita oder Vorschule. In Österreich ist der Alltag oft stärker von fixen Bring- und Abholzeiten, Vereinswegen oder Familienbesuch geprägt – in Deutschland häufig von Kita-Zeiten, Termindruck und Verkehr. In beiden Fällen gilt: 5 Minuten Spiel ersparen manchmal 20 Minuten Diskussion.

Spielideen für den Morgen: ruhig starten statt antreiben

Der Morgen ist oft die „Königsdisziplin“. Kinder sind noch nicht ganz wach, Erwachsene ebenfalls. Hier helfen wiederkehrende Rituale und klare, spielerische Abläufe.

Das „Morgen-Missionsbrett“ (ohne viel Basteln)

Du brauchst nur ein Blatt Papier oder eine Notiz-App. Male/ schreibe 4–6 Symbole:

  • Toilette
  • Anziehen
  • Frühstück
  • Zähneputzen
  • Jacke/Schuhe
  • Rausgehen

Dein Kind bekommt die Rolle als „Missionsleiter:in“ und darf abhaken (mit Stift, Magnet oder Finger). Du bleibst in der Rolle: „Agentin Mama/Papa meldet: Mission 2 ist bereit.“

Anziehen als Rollenspiel: „Feuerwehr, Bergrettung oder Prinzessinnen-Umhang“

Viele Kinder trödeln beim Anziehen, weil es langweilig ist oder weil sie die Kontrolle testen. Mach daraus eine Rolle:

  • Feuerwehr-Einsatz: „In 2 Minuten rücken wir aus – Helm, Jacke, Stiefel!“
  • Bergrettung (passt gut zu Österreich/Alpenregion): „Wir müssen warm angezogen zum Gipfel.“
  • Mode-Show: „Und jetzt auf den Laufsteg – Drehung!“

Tipp: Stell einen Timer nicht als Druckmittel, sondern als Spielpartner vor: „Der Timer ist unser Zeitdrache. Wir schaffen das gemeinsam.“

Zähneputzen ohne Kampf: „Zahnpolizei“ und „Karies-Monster“

Ein Klassiker, weil es jeden Tag passiert. Zwei Varianten:

  • Zahnpolizei: Dein Kind kontrolliert erst deine Zähne (mit imaginärer Lupe), dann umgekehrt.
  • Karies-Monster jagen: Du erzählst kurz, wo sich Monster verstecken („hinten links!“). Dein Kind putzt gezielt.

Wichtig: Bleib respektvoll. Wenn dein Kind nicht mag, reduziere die Geschichte auf ein Minimum und gib Struktur: „Erst oben, dann unten, dann innen.“

Frühstück als Mitmach-Spiel: „Kochstudio“

Viele Vorschulkinder essen besser, wenn sie beteiligt sind. Mach ein Mini-Kochstudio:

  • „Heute bist du der/die Chefkoch/Chefköchin für dein Müsli.“
  • „Du darfst zwei Zutaten wählen: Banane oder Apfel? Nüsse oder Rosinen?“

Für Deutschland/Österreich alltagstauglich: Brotzeit/Jause vorbereiten als Ritual. Lass dein Kind eine Aufgabe übernehmen (Serviette falten, Gurkenscheiben zählen).

Unterwegs spielerisch begleiten: Weg, Auto, Öffis, Fahrrad

Auf dem Weg zum Kindergarten oder zu Terminen entstehen häufig Konflikte: Tempo, Sicherheit, „Ich will getragen werden“. Hier hilft Spiel als Fokus-Shift.

„Ampel-Spiel“ für sicheres Gehen

Gerade im Stadtverkehr (z. B. Wien, Graz, Berlin, Hamburg) ist Sicherheit zentral. Statt ständiger Warnungen:

  • Grün = normales Gehen
  • Gelb = langsam, bei dir bleiben
  • Rot = sofort stehen, Hand geben

Das Spiel trainiert Impulskontrolle – und du hast eine klare Sprache für kritische Situationen.

„Tiergänge“ und „Geheimagenten-Schritte“

Wenn dein Kind trödelt oder nicht laufen möchte, probiere Bewegungsrollen:

  • „Zeig mir 20 Schritte wie ein Pinguin.“
  • „Jetzt sind wir Geheimagenten: leise, nah bei mir.“

Wenn es wirklich schnell gehen muss, kündige das ehrlich an: „Heute ist ein Sprint-Tag. Danach machen wir einen Tiergang als Belohnung.“

Auto und Öffis: „Ich sehe was, was du nicht siehst“ – modernisiert

Alt, aber genial. Variationen:

  • Farben: „Ich sehe etwas in Gelb.“
  • Formen: „Ich sehe einen Kreis.“
  • Buchstaben (für Vorschulkinder): „Ich sehe ein A auf einem Schild.“

Praktisch im DACH-Raum: Straßenschilder, Bäckereien, Zebrastreifen, Berge, Flüsse – alles wird zum Suchbild.

Einkaufen ohne Stress: Vorschulkinder als Teammitglied

Supermarkt oder Drogerie können überfordernd sein: Geräusche, Auswahl, Süßigkeiten. Wenn du dein Vorschulkind spielerisch begleiten willst, gib ihm eine klare Rolle.

Die „3 Dinge“-Mission

Dein Kind bekommt drei Aufgaben (nicht mehr):

  • „Finde 3 Äpfel.“
  • „Suche ein Brot (oder Semmeln/Weckerl).“
  • „Hol die Milch.“

Wichtig: Wähle Dinge, die es auch finden kann. Erfolgserlebnisse erhöhen die Kooperationsbereitschaft.

„Preisdetektiv“ (für Fortgeschrittene)

Für Kinder kurz vor der Schule: „Welcher Joghurt ist günstiger?“, „Welche Packung hat mehr Inhalt?“ Das ist Mathematik im echten Leben – ohne Arbeitsblatt.

Umgang mit Süßigkeiten: klare Regel + Empathie

Ein häufiger Konflikt. Hilfreich ist eine vorher abgesprochene Regel (z. B. „Freitag ist Süßigkeitentag“ oder „Eine kleine Sache“). Wenn dein Kind wütend wird:

  • Benennen: „Du bist enttäuscht, weil du es willst.“
  • Grenze: „Heute kaufen wir keine Süßigkeit.“
  • Alternative: „Du darfst eine Frucht aussuchen.“

Spiel kann helfen, den Übergang zu schaffen: „Hilf mir, die Kasse zu finden – wir sind jetzt Kassen-Scouts.“

Aufräumen spielerisch begleiten: vom Machtkampf zum Mitmachen

Aufräumen ist selten beliebt. Vorschulkinder verlieren schnell den Überblick und fühlen sich von „Räum dein Zimmer auf“ erschlagen. Zerlege die Aufgabe und mach sie sichtbar.

Die „5-Minuten-Aufräum-Party“

Stell Musik an (ein Lied reicht) und räumt gemeinsam nur bis zum Songende. Danach ist Schluss. Das reduziert Widerstand und macht den Anfang leichter.

Sortier-Spiele: „Farben retten“ oder „Tierheim“

  • Farben retten: „Alle roten Bausteine müssen ins rote Zuhause.“
  • Tierheim: Kuscheltiere müssen „schlafen“ (ins Bett/Regal).

Für viele Kinder funktioniert auch das „Du bist der/die Chef:in“-Prinzip: Dein Kind gibt Anweisungen, du folgst (solange es realistisch bleibt). Dadurch fühlt es sich mächtig – und macht trotzdem mit.

Aufgaben in Häppchen: „Erst die Autos, dann Pause“

Statt „alles“: „Erst die Autos in die Kiste. Dann machen wir einen Schluck Wasser. Dann die Bücher.“ Diese Struktur ist häufig der Gamechanger.

Essen, Tisch und Körpergefühl: spielerisch, aber respektvoll

Viele Eltern wünschen sich entspannte Mahlzeiten. Vorschulkinder haben oft wechselnden Appetit, starke Vorlieben und sind leicht ablenkbar. Spiel kann unterstützen – aber ohne Druck, denn Essen ist sensibel.

„Probier-Portion“ statt „Iss auf“

Vereinbart eine Mini-Probe: ein Bissen oder ein Stück. Danach darf dein Kind entscheiden. Das schützt die Autonomie und reduziert Stress.

Geschmacksdetektiv: „Knusper oder weich?“

Statt zu bewerten („Das ist gesund!“), wird es neugierig:

  • „Ist das eher knusprig oder weich?“
  • „Schmeckt es süß, sauer oder salzig?“

Das passt gut zu Familien in Deutschland/Österreich, in denen Mahlzeiten oft ein wichtiger sozialer Moment sind (Brotzeit/Jause, Abendbrot, Familienessen am Wochenende).

Mithelfen lassen: „Küchencrew“

Ein Vorschulkind kann:

  • Gemüse waschen
  • Teig rühren
  • Tisch decken (Servietten, Besteck)
  • „Jausenbox“/Brotdose mitpacken

Regel: Lieber eine Aufgabe richtig klein wählen – und dafür echtes Lob für den Beitrag („Du hast den Tisch gedeckt, das hilft uns allen“).

Gefühle & Trotz: spielerisch regulieren ohne zu bagatellisieren

Vorschulkinder sind emotional. Sie wollen viel selbst bestimmen, können Enttäuschung aber noch nicht gut aushalten. Wenn du dein Vorschulkind spielerisch begleiten möchtest, ist Spiel besonders bei starken Gefühlen hilfreich – aber nur, wenn du es dosiert einsetzt. Manche Kinder wollen in Wut nicht „bespaßt“ werden.

Das „Gefühlswetter“ (kurz und alltagstauglich)

Frage einmal am Tag: „Welches Wetter ist heute in dir?“

  • Sonne = fröhlich
  • Wind = unruhig
  • Gewitter = wütend
  • Nebel = müde/überfordert

Das ist ein spielerischer Zugang zu Emotionssprache – ohne lange Gespräche.

Wut sicher begleiten: „Stampfplatz“ und „Wutball“

Statt „Hör auf!“: gib einen sicheren Rahmen.

  • Stampfplatz: „Du darfst wütend sein. Stampf hier auf den Teppich.“
  • Wutball: Ein Kissen/Ball darf geworfen werden – aber nur an eine freie Wand/ins Bett.

Du bleibst ruhig, benennst die Grenze („Nicht schlagen“) und zeigst Alternativen. Das ist echte Begleitung.

Wenn dein Kind nicht loslassen kann: „Übergangsobjekt“

Viele Konflikte entstehen beim Wechsel: Spiel → Zähneputzen, Spielplatz → Heimweg. Hilft oft:

  • Ein kleines Spielzeug als „Mitgeh-Freund“
  • Ein Stein/Blatt als „Schatz“ vom Spielplatz
  • Ein Foto vom Bauwerk, das im Zimmer stehen bleiben muss

So muss dein Kind innerlich nicht abrupt abbrechen.

Sprache, Zahlen, Feinmotorik: Lernen im Alltag – ganz nebenbei

Viele Eltern (besonders kurz vor Schuleintritt) fragen sich: „Muss ich mehr üben?“ In Deutschland und Österreich ist der Übergang in die Schule ein großes Thema. Der beste Weg ist oft: Fähigkeiten im Alltag verankern, ohne Druck.

Sprache: Reime, Quatschwörter und Erzählen

  • Reimketten beim Zähneputzen: „Haus–Maus–Klaus…“
  • Quatschwörter beim Kochen: „Heute gibt’s Spaghetti mit Fliegensetti!“
  • Erzähl-Ritual abends: „Drei Dinge von heute: lustig, schwierig, schön.“

Zahlen: Treppen, Obst, Wäscheklammern

Mathe steckt überall:

  • Treppenstufen zählen
  • „Wir brauchen 5 Tomaten“
  • Wäscheklammern sortieren (Farben, Mengen)

So lernt dein Kind Mengen und Reihenfolgen, ohne dass es sich wie „Üben“ anfühlt.

Feinmotorik: Anziehen, Kneten, Schneiden, Schrauben

Statt zusätzlicher Arbeitsblätter:

  • Reißverschluss-Training am eigenen Pulli
  • Knete rollen und „Würstchen“ formen
  • Mit kindgerechter Schere Prospekte schneiden
  • Schraubdeckel öffnen/schließen

Bildschirmzeit & Medien: spielerische Alternativen, die wirklich funktionieren

In vielen Familien in Deutschland und Österreich ist Medienzeit ein Dauerthema. Statt nur zu verbieten, hilft es, eine Brücke zu bauen: klare Regeln und attraktive Alternativen.

Die „Übergangsbrücke“: erst kurz verbinden, dann abschalten

Viele Konflikte entstehen, wenn du abrupt stoppst. Besser:

  • „In 5 Minuten ist Schluss. Was möchtest du noch fertig schauen?“
  • „Wenn es aus ist, machen wir zusammen die Deckenhöhle.“

Notfall-Ideen ohne Vorbereitung

  • Höhle aus Decke und Sofa
  • Sticker-/Malpause (ein kleines Heft in der Tasche)
  • Vorlese-Minute (auch ein einzelner Abschnitt)
  • Bewegungswürfel (selbst aus Papier, oder „3x hüpfen, 2x drehen“ ansagen)

Schlaf und Abendroutine: sanft runterfahren mit Ritualen

Abends sind viele Kinder „drüber“: müde, überreizt, anhänglich. Gerade dann ist spielerische Begleitung wertvoll – ruhig, wiederholbar, ohne große Action.

Die „Abendkette“: immer gleiche Mini-Schritte

Eine feste Reihenfolge gibt Sicherheit:

  1. Aufräumen (kurz)
  2. Waschen/Zähne
  3. Pyjama
  4. Geschichte
  5. Gute-Nacht-Ritual

Mach daraus eine Geschichte: „Wir hängen heute wieder fünf Perlen auf unsere Abendkette.“ Nach jedem Schritt kommt eine „Perle“ dazu (kann imaginär sein).

„Körper-Scan“ für Kinder

Kurze, ruhige Anleitung:

  • „Spür deine Füße… deine Beine… deinen Bauch…“
  • „Atme ein wie ein Bär – atme aus wie ein leiser Wind.“

Das wirkt besonders gut nach einem vollen Tag in Kita/Kindergarten oder nach Besuch bei Familie/Freunden.

Albträume und Angst: „Schutzspray“ (mit Bedacht)

Wenn dein Kind abends ängstlich ist, kann ein symbolisches Ritual helfen: eine Sprühflasche mit Wasser als „Schutzspray“. Wichtig: Nicht in Angstgeschichten hineinsteigern, sondern Sicherheit vermitteln: „Du bist sicher. Wir schauen gemeinsam.“

Rausgehen bei jedem Wetter: Spielideen für Deutschland & Österreich

Im DACH-Raum gehört „raus bei jedem Wetter“ für viele Familien zur Kultur – mit Regenanzug, Matschhose, Haube/Mütze. Wenn dein Kind keine Lust hat, hilft ein Ziel oder eine Mission.

„Pfützen-Plan“ statt Streit um Regen

Wenn es regnet:

  • „Wir suchen heute die 3 größte Pfützen.“
  • „Welche Pfütze macht das lauteste Platsch?“

Mit klarer Grenze: „Pfützen sind okay, aber wir springen nicht auf andere Menschen zu.“

Wald- und Parkspiele

  • Schatzsuche: Zapfen, Blätter, Steine in 3 Farben
  • Balancepfad: auf Baumstämmen/ Bordsteinen
  • Hörspiel: 30 Sekunden still sein und 3 Geräusche finden

Winterklassiker: „Spurenleser“

In Schnee oder Matsch: „Welche Spuren sind das? Hund? Vogel? Fahrrad?“ Das ist Naturkunde plus Aufmerksamkeitstraining.

Wenn du mehrere Kinder hast: Spiel ohne Konkurrenz

Mit Geschwistern wird es komplexer. Spiel kann helfen, aber es braucht klare Regeln, damit es nicht kippt.

Kooperative Spiele im Alltag

  • Gemeinsame Mission: „Ihr seid ein Team und sammelt alle Bausteine ein.“
  • Stille-Challenge: „Wer schafft 20 Sekunden Flüstern?“
  • Staffel-Aufräumen: Jede:r räumt 10 Teile, dann Wechsel

Exklusivzeit in Mini-Portionen

Schon 7 Minuten ungeteilte Aufmerksamkeit wirken stark. Sag es explizit: „Das ist jetzt unsere Mini-Zeit.“ Das reduziert Rivalität, weil jedes Kind „ankommt“.

Häufige Stolpersteine – und wie du sie elegant löst

„Mein Kind macht bei Spielen nicht mit“

Dann war es vielleicht zu viel, zu laut oder nicht passend. Starte kleiner:

  • Nur eine lustige Stimme bei der Aufforderung
  • Ein einziges Element („Kannst du wie ein Roboter gehen?“)
  • Oder: Lass dein Kind das Spiel erfinden

„Ich habe selbst keine Energie für Spiel“

Völlig normal. Wähle „Low-Energy“-Spiele:

  • Flüstermissionen
  • Suchspiele („Findest du drei runde Dinge?“)
  • Rollenspiel, bei dem dein Kind aktiv ist und du nur reagierst

„Spiel eskaliert und wird wild“

Spiel braucht Rahmen. Sag früh:

  • „Stopp – wir spielen sanft. Körper bleiben sicher.“
  • „Wenn es zu wild wird, machen wir eine Pause.“

Das ist keine Spielverderberei, sondern Regulierung.

„Mein Kind will immer gewinnen“

Das ist im Vorschulalter häufig. Nutze kooperative Varianten („Wir gegen die Zeit“), oder vereinbare: „Heute gewinne ich einmal, du einmal.“

Mini-Toolbox: 25 sofort umsetzbare Spielimpulse

Hier eine Sammlung zum Speichern. Du kannst sie je nach Situation einsetzen, um dein Vorschulkind spielerisch zu begleiten, ohne dich zu verbiegen.

  • Roboter-Modus fürs Gehen
  • Flüster-Modus im Treppenhaus
  • Zauber-Hand: „Meine Hand hilft dir in die Jacke“
  • Stopp-Tanz beim Aufräumen
  • Tierarzt: Kuscheltier „bekommt Medizin“ (Zähneputzen)
  • Postbote: Socken „ausliefern“
  • Schatzkarte: Weg zur Haustür
  • Echo-Spiel: du sagst, Kind wiederholt leise
  • Spiegel: Kind macht Bewegungen, du spiegelst
  • 3 Schritte rückwärts als Reset
  • Witze-Minute vor dem Losgehen
  • Farbenjagd im Wohnzimmer
  • Sortier-Rennen: „Alle Bücher zuerst“
  • Wäsche-Klammer-Krokodil (Klammern sammeln)
  • Glitzer-Atem: „Puste den Glitzer aus“
  • Superhelden-Pose bei Nervosität
  • Wer hört zuerst? Geräuschsuche
  • Mini-Foto vom Bauwerk als Abschied
  • Wörter zählen beim Vorlesen
  • Reim-Duell im Bad
  • Hindernis-Parcours aus Kissen (kurz)
  • Hampelmann-Check vor den Hausaufgaben der Großen
  • Gefühlswetter am Abend
  • Aufräum-Staffel mit Geschwistern
  • Gute-Nacht-Geheimnis: „Morgen machen wir …“

Fazit: Spielerische Begleitung ist Haltung – nicht Perfektion

Du musst nicht den ganzen Tag „bespaßen“. Wenn du dein Vorschulkind spielerisch begleiten möchtest, reichen kleine, kluge Impulse an den Stellen, an denen es sonst kracht: Übergänge, Routinen, Stressmomente. Spiel ist dabei kein Trick, um Gehorsam zu erzwingen, sondern eine Brücke: zwischen deiner Welt (Zeitplan, Sicherheit, Verantwortung) und der Welt deines Kindes (Fantasie, Bewegung, Gefühl).

Probier dir für die nächste Woche nur zwei Situationen aus – zum Beispiel Zähneputzen und Losgehen – und wähle dafür je ein Spiel. Wenn es nicht funktioniert, ist das kein Scheitern, sondern Feedback: Du passt die Idee an, verkleinerst sie oder lässt dein Kind mitentscheiden. So entsteht ein Alltag mit mehr Kooperation, mehr Humor – und vor allem mehr Verbindung.

Siehe auch

Gelassene Elternübergaben: So wird der Wechsel für alle entspannter
Gelassene Elternübergaben: So wird der Wechsel für alle entspannter
Elternübergaben gehören zum Alltag vieler Trennungs- und Patchworkfamilien in Deutschland…
Zurück zum Sport nach der Geburt: So besprichst du deinen Wiedereinstieg sicher und entspannt
Zurück zum Sport nach der Geburt: So besprichst du deinen Wiedereinstieg sicher und entspannt
Du möchtest nach der Geburt wieder Sport machen – aber…
Kleine Freundschaften, große Wirkung: Wie du Kinder im Kindergarten beim Freundschafteschließen stärkst
Kleine Freundschaften, große Wirkung: Wie du Kinder im Kindergarten beim Freundschafteschließen stärkst
Freundschaften im Kindergarten sind oft klein, schnell geknüpft – und…
Weniger Routinen, mehr Leichtigkeit: So gelingt ein entspannter Familienalltag
Weniger Routinen, mehr Leichtigkeit: So gelingt ein entspannter Familienalltag
Der Familienalltag kann sich schnell wie ein Stundenplan anfühlen: Aufstehen,…
Wenn dein Kind keinen Spielkameraden findet: 10 einfühlsame Ideen für neue Freundschaften
Wenn dein Kind keinen Spielkameraden findet: 10 einfühlsame Ideen für neue Freundschaften
Manchmal wirkt es, als hätten andere Kinder wie von selbst…
Gefährlich klein: So bewahrst du Knopfzellen kindersicher und griffbereit auf
Gefährlich klein: So bewahrst du Knopfzellen kindersicher und griffbereit auf
Knopfzellen sind winzig – und genau das macht sie im…
Fair statt Frust: Verantwortung unter Geschwistern altersgerecht aufteilen
Fair statt Frust: Verantwortung unter Geschwistern altersgerecht aufteilen
Wenn Kinder streiten, geht es oft nicht nur um Spielsachen…
Entspannt füttern: Wie du die Flasche nach Babys Bedürfnissen gibst
Entspannt füttern: Wie du die Flasche nach Babys Bedürfnissen gibst
Fläschchen geben kann so viel mehr sein als „satt werden“:…
Nach der Geburt: So lernst du deinen neuen Körper liebevoll anzunehmen
Nach der Geburt: So lernst du deinen neuen Körper liebevoll anzunehmen
Dein Körper hat in der Schwangerschaft und unter der Geburt…
Alleine zum Geburtsvorbereitungskurs? So stärkst du dein Vertrauen und gehst entspannt in die Geburt
Alleine zum Geburtsvorbereitungskurs? So stärkst du dein Vertrauen und gehst entspannt in die Geburt
Du überlegst, ob du alleine zum Geburtsvorbereitungskurs gehen sollst –…

Zuletzt angesehen